Monatsarchiv Juni 2005

VonThomas Junker

Rede von Rainer Domfeld …

… bei der Meisterfeier am 18.06.2005 in der Schlosswaldhalle Berghaupten

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Fußballfreunde,

ein hochkarätiges Mitglied der Vorstandschaft des SV Berghaupten, der Abteilungsleiter Fußball, Herr Bauer, kam auf mich zu und fragte mich in seiner unnachahmlichen Art so in etwa folgendes:
„Falls mir Meischter mache, mir müsse es erscht nochmol abwarte, aber mir mache Meischter, dann kintsch doch Du am 18. Juni ebbis uff de Bühne verzähle. Ziehsch halt einfach a Trainingsanzug an, und verzählsch de Litt 5 Minute ebbs“.
Ich habe mich gefragt, warum ich einen Traininganzug anziehen muss, um irgendetwas erzählen zu können. Wenn es darum ginge, dass jeder einen Trainingsanzug anziehen müsste, wenn er etwas erzählt, dann müsste aber der Herr Bauer bereits in einem Trainingsanzug geboren worden sein.
Der Herr Bauer sagte zu mir 5 Minuten. Das ist eine Menge Zeit. Sie kennen ja alle verschiedenen Maßeinheiten. 1 kg sind beispielsweise 1000 Gramm. Kennen Sie auch die längste Redeeinheit? Die wird neuerdings in „Schimmel“ berechnet.
1 Schimmel sind umgerechnet ca. 12 Minuten „Vollzuschwalle“. Als der Herr Bauer zu mir gesagt hatte, ich solle 5 Minuten reden, da habe ich sofort umgerechnet.
5 Schimmel „Vollzuschwalle“ mal 12 Minuten Umrechnungseinheit ergibt exakt 60 Minuten Redezeit. Das mute ich Ihnen aber nicht zu. Ich dachte mir, ich erzähle Ihnen einfach ein paar Episoden aus meiner Zeit als Spieler beim SVB.
Ach ja, kennen Sie übrigens die kleinste Redeeinheit? Das ist 1 Ali. 20 Minuten „Zuschwalle“ und 0 kommt dabei raus.

Ich habe ja als Jugend- und Seniorenspieler logischerweise viele andere Spieler kennen gelernt. Als Jugendspieler hat man ja immer bestimmte Vorbilder. So war es auch bei uns Jugendspielern.

Neben Beckenbauer und Maradona kamen da im gleichen Atemzug ein Wolfgang Riehle und ein Beat-Sepp.
Wer erinnert sich noch an den Mittelstürmer-Titan Wolfgang Riehle? Ein 2 Zentner Sturmtank. Wenn er stürmte, dann bekam das Spiel eine militärisch, strategische Bedeutung. Er lief nicht in den Strafraum, nein, er brach in den Strafraum ein. Er umspielte nicht die Abwehrkette, sondern er zerlegte ganze Abwehrreihen. Bei Freistößen hob er nicht den Ball über die Mauer, nein, er durchschoss sie einfach. Kopfbälle wurden zu akuten Kopfattacken. Und fiel er einmal in einem Luftkampf auf seinen Gegenspieler, dann war das Spiel 10 – 20 Minuten unterbrochen: Ja man hat so lange gebraucht bis man den Spieler wieder ausgegraben hatte. Deswegen trug damals auch noch jeder Platzordner des SVB einen Klappspaten mit sich. Der Franz-Karl weiß das noch!
Franz-Karl, das war ja eigentlich schon eine Ironie des Schicksals. Früher hast Du den Platz umgegraben, später hast Du keinen mehr drauf gelassen.
Oder Berghauptens Stürmerlegende „Beat-Sepp“, alias Franz Huber. Der war ein leidenschaftlicher Dribbler. Das war so ein leidenschaftlicher Dribbler, man sagte ihm ja nach, dass die Post immer nur aus dem Grund Verspätung hätte, weil er sich beim Austragen der Briefe unterwegs verdribbelt hätte. Böse Zungen behaupten ja auch, dass der Tino Faißt auch deswegen immer extra ihn abgepasst hätte, um ihm dann von hinten her während seiner Postkartendribblings abzugrätschen.
Und was für Fußballgötter haben wir im SVB nicht schon gehabt. Ein „Zico“, alias Erhard Brüderle, oder denken wir an „Fischer“, alias Bernd Huber. Der Fischer war ein Schlitzohr in dreifacher Hinsicht. Auf dem Spielfeld, am Tresen und am Spieltisch. Oder „Diego“, alias Conny Kälble. Keiner, verlor nach drei bis vier Übersteigern so elegant den Ball an die gegnerische Mannschaft wie er. Und das immer!
Oder denken wir an „Lato“, alias Klaus Bauer. Eine alte Fußballerweisheit hat immer besagt, dass der Wahnsinnige in einer Mannschaft immer der Linksaußen ist. Raten Sie mal welche Position der „Lato“ gespielt hat.
Da gab es ja noch die „Geiler-Dynastie“ im SVB. Wolle, Helmut und Didi Geiler. Heute würde man in der „In-Sprache“ sagen, dass mit den drei Geilers war eine echt geile Sache. Wenn wir nach dem Training auf Tour gingen wusste keiner, wer geiler war, von den drei Geilern. Meistens war es zum Schluss immer der „Didi“, der neben etwas anderes, die Nase vorne hatte.

Und Spitznamen gibt es in diesem Verein.
Stellen Sie sich bitte einmal folgende Situation vor. Anstatt der Sendung „ Deutschland sucht den Superstar“ gibt es den Mega-Event „Deutschland sucht die Superkicker“. Der SVB ist in der Endausscheidung. 5 Spieler jedes Vereines werden einem Millionenpublikum vorgestellt. Nach Bayern München, Hamburger SV, Hannover 96, und Gladbach kommt der SV Berghaupten dran. Das Supersportgerät Michelle Hunziker und Kai Pflaume öffnen den Umschlag und lesen folgende Namen für den SVB vor:

Hool, Einachser, Pfütze, Klicker und Radi!
Hool, Einachser, Pfütze, Klicker und Radi!

Bei den Namen muss der Rest der Welt doch denken, hier handelt es sich um die Adams-Family der fußballspielenden Vereine.
Ich frag mich, was muss ein Mensch verbrochen haben, dass er sich ein Leben lang mit diesen Namen herumschlagen muss.
Hool, Einachser, Pfütze, Klicker und Radi.
Zum „Radi“, alias Michael Sälinger kann ich auch noch eine ganz spezielle Geschichte erzählen. Wir waren mit der 1. Mannschaft im Trainingslager in Frankreich. In der Nähe war ein Fest in einem Zelt. In dem Zelt gab es eine Bühne. Auf der Bühne gab es ein Mikrophon. Am Mikrophon stand vor hunderten Franzosen der „Radi“ und sang aus voller Brust, folgendes tiefsinniges Lied mit dem überaus beeindruckenden Titel: „ Ich bin die rote Lola, die Hure der Saison“.
Gott sei Dank bestand ein Großteil der Festbesucher aus Franzosen, die soviel Beaujolais im Kopf hatten, dass sie alle dieses Lied eifrig mitsangen. Im Festzelt hat sich das dann so angehört: „Isch bin die rotte Lolla, die Ure der Saison“. Das zu „Radi“!!

Was hatten wir nicht alles schon im SVB. Sogar Tiere fanden bei uns eine Heimat. Ja, Sie haben richtig gehört, auch Tiere gehörten und gehören zum SVB.
Ein Schimmel, ein Has und ein Guller!!

Das hat aber nichts mit den Bremer Stadtmusikanten zu tun, denn die haben ja selbst in die Instrumente geblasen, wobei die eben genannten Herren gerne (Langsam!), nun ja………, kein Instrument spielen können.
In der heutigen Medienwelt ist es ja immer interessant zu wissen, was aus solchen Menschen geworden ist. Sendungen wie „Bitte melde Dich“ mit Jörg Wontorra war eine davon. Auch ich habe recherchiert, um mal zu sehen, was ist eigentlich aus ihnen geworden.
Der „Has“ hat bereits seit längerer Zeit seine „Sasse“ im Rathaus aufgeschlagen. Ihn hat das Schicksal stark mitgespielt. Es hat ihn regelrecht wie ein Hammer getroffen, denn er konnte es ja wirklich nicht voraussehen, dass der Jürgen Schäfer mal sein Chef werden würde. Also, das ist schon hart, da kann ich mitfühlen.
Der „Schimmel“ ist von einer Pferdebox auf einen klimatisierten Bus umgestiegen. Er hat es sogar bis in die Vorstandsetage des SVB gebracht. Durch seine ruhige, sachliche Art ist er der ruhende Pol im SVB. Das schöne an ihm ist, dass er nie unnötig etwas sagt, keinen überflüssigen Kommentar abgibt und anderen stets gerne Recht gibt.
Der „Guller“ ist etwas in die SM, in die Sado-Maso-Szene leider abgerutscht. Früher pfiff er als Schiedsrichter nur die Heimpartien der II. Mannschaft, heute lässt er sich auf auswärtigen Sportplätzen verprügeln. Es macht ihm aber Spaß, hat er gesagt.

Wie sah es eigentlich mit unseren ausländischen Freunden aus! Welcher war wohl einer der Besten in Berghaupten. Als einer der besten ausländischen Spieler, den Berghaupten je hatte, da fällt mir spontan nur einer ein:
Das war der „Ossi“ (Pause). Als Abwehrchef hat er jeden Ball rübergemacht. Ich glaube das macht er sogar heute noch in der II.
Eine schwarze Perle hatte Berghaupten nie. Schade. Moment, doch eine hatten wir ja, eine ganz schwarze. Die schwarze Perle nennt sich heute Robert Harter und ist Fraktionsvorsitzender der CDU in Berghaupten.

Kennen Sie noch den legendären Stangendreher von Arno Schilli, als er noch aktiver Spieler war? Das liegt auch schon ein paar Jährchen zurück, es war so 1984. Zufällig weiß ich, dass Arno bei dem Spiel der II. an diesem Tag bis zur Oberkante gedopt war. Auf Deutsch: Er war zu wie eine Handbremse. Das hat im Spiel eigentlich keiner groß bemerkt, allerdings bis zu dem Zeitpunkt, als er einen ins Aus geschlagenen Ball holen wollte. Infolge seines Dopingzustandes übersah er jedoch die Stange der Spielfeldbegrenzung. Ich möchte diese Situation kurz aus Sicht des Fußballreporters Heribert Fassbender beschreiben:

„ Liebe Zuschauer daheim, es läuft die 38. Spielminute im Berghauptener Fußballstadion „Blutrote Erde“. Ein langer Abschlag von „Manna“ wurde direkt von „E“ an „Viz“ weitergeleitet. „Viz“ spielt weiter auf „Ecki“, „Ecki“ zu „Didi“. „Didi“ schlägt einen traumhaften langen Pass auf den wieselflinken „Lato“, der jedoch offensichtlich die Orientierung etwas verloren hat, denn der Ball traf ihm am Hinterkopf und trudelte ins Seitenaus.
Nur um das Spiel wieder schnell zu machen, anders kann ich mir nun die folgende Situation nicht erklären, rast der kurzbeinige linke Verteidiger „Gö“ Richtung Sporthäusle, um den draußen liegenden Ball wieder ins Spiel zu bringen.
Das geht aber nicht gut, meine lieben Zuschauer daheim, das geht ganz bestimmt nicht gut, Mensch Junge, dort ist doch eine Stange. Die sieht er nicht, die sieht er nicht, und es ist passiert was passieren musste, der Junge ist mit voller Wucht mit seiner Brust, denn größer ist er nicht, gegen die Spielfeldumgrenzungsstange geknallt. Das hätten Sie sehen sollen, einmal hat es ihn komplett um die Stange gewickelt und nun sitzt er wie nach einer Gehirnwäsche auf seinem Hintern.
Die Zuschauer erklären ihm gerade, in welcher Richtung sich das Spielfeld befindet, und was ganz wichtig ist, in welcher Mannschaft er spielt. Sie zeigen auf die, mit dem blau-gelben Trikot“.

Das waren noch Zeiten, als die Jungs alles gegeben haben.
Nun zum Schluss möchte ich gerne noch den Bogen zu einem Mann spannen, ohne den wir ja heute gar nicht hier versammelt wären.
Das ist der Trainer der Meistermannschaft, Kuno Motzer. Es ist wirklich schwierig etwas über den Mann zu schreiben, denn da gibt es eigentlich nichts, obwohl ich meine Kollegen recherchieren ließ.
Club Rubin Offenburg. Die kennen keinen Kuno Motzer, Fehlanzeige. Die Mädels haben allerdings gefragt ob die beiden Harter Brüder wieder mal vorbeischauen könnten.
Gut sportlich hat er nun mit Kaiser Franz gleichgezogen, beide sind nun als Spieler und Trainer Meister geworden.
Ich habe natürlich auch mit dem SVB mitgefiebert, und so bin ich zur Beichte gegangen. Im Beichtstuhl habe ich dann zum Herrn Pfarrer Hildebrandt gesagt:“ Herr Pfarrer, ich habe ziemlich oft geflucht“. Da hat er mich gefragt: „Wo und wann mein Sohn“. Da hab ich gesagt; “jeweils beim Spiel vom SVB gegen Dundenheim und Legelshurst“. Daraufhin hat der Pfarrer zu mir gesagt, es sei in Ordnung, er habe verstanden. Ich habe ihn dann gefragt, ob ich nicht weiter beichten soll“
Da hat er zu mir gesagt: „Mein Sohn, vor Dir waren schon 50 andere da, die genauso begonnen haben wie Du. Und zum Schluss musste ich mit ihnen Fürbitten halten:

Herr im Himmel,
lass den SVB in der Bezirksliga eine gute Rolle spielen,
lass sie so viele Tore schießen, wie es Äpfel am Paradiesbaum hat,
lass sie so wenige Tore kassieren, wie ein Engel Flügel hat,
und lass uns, lieber Gott, und das ist das Allerwichtigste,
in der Abschlusstabelle vor Gengenbach stehen!!!

 

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